Wissenschaft

Die Epidemie des Präsentismus: Burn-out und seine Kosten

Maximilian Schmidt8. August 20263 Min Lesezeit

Burn-out kostet die deutsche Wirtschaft jährlich 33,7 Milliarden Euro. Ein Blick auf die wachsende Problematik des Präsentismus und seine Auswirkungen auf Unternehmen.

In den letzten Jahren hat sich in vielen Büros eine stille Epidemie ausgebreitet. Sie trägt den Namen Präsentismus. Dies ist der Zustand, in dem Mitarbeiter trotz körperlicher oder psychischer Probleme zur Arbeit erscheinen. Eine Entwicklung, die nicht nur die Beschäftigten selbst betrifft, sondern auch die Unternehmen, in denen sie arbeiten.

Die Zahlen sind alarmierend. Eine Studie ergab, dass Burn-out der deutschen Wirtschaft jährlich 33,7 Milliarden Euro kostet. Man fragt sich: Wie ist es dazu gekommen?

Um diese Frage zu beantworten, muss man einen Blick auf den Arbeitsplatz der modernen Gesellschaft werfen. Ein Arbeitsplatz, der in vielen Fällen nicht nur physisch, sondern auch psychisch belastend ist. Überstunden, Leistungsdruck und die ständige Erreichbarkeit haben dazu geführt, dass viele Mitarbeiter mit Erschöpfung kämpfen.

Man kann sagen, dass die Schere zwischen dem, was wir machen sollten, und dem, was wir tatsächlich tun, immer weiter auseinandergeht. Ein hochmotivierter Angestellter wird oft als unerlässlich betrachtet und muss demnach stets präsent sein, auch wenn der Körper und Geist signalisieren, dass eine Pause notwendig ist.

In Unternehmen wird oft die Haltung vertreten, dass „Wer nicht arbeitet, auch nicht verdient“. Diese Maxime ist vielleicht auf dem ersten Blick nachvollziehbar, steht jedoch im krassen Widerspruch zu den Bedürfnissen des menschlichen Körpers. Wer überlastet ist, produziert nicht nur nichts mehr, sondern wird sogar zum Kostenfaktor.

Eine Studie in der Breite

Die Ökonomin Dr. Julia Meyer hat in einer umfassenden Studie gezeigt, dass Präsentismus nicht nur zu Produktivitätsverlusten führt, sondern auch zu einer erhöhten Fluktuation. Die Menschen gehen, oft auch krank, zur Arbeit. Eine Entscheidung, die sie nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst vor Konsequenzen treffen.

Die Ursachen für diese Angst sind vielschichtig. Einmal gibt es die Furcht vor einem schlechten Image, wenn man sich mit einer Krankheit abmeldet. Man stellt sich unweigerlich die Frage: Was denken die Kollegen, die Chefs? Zur anderen Seite gibt es die realen wirtschaftlichen Konsequenzen, die eine Krise nach sich ziehen kann.

So wird das Hamsterrad der Verpflichtungen und Erwartungen immer schneller, und viele Mitarbeiter fühlen sich gefangen. In einer Welt, die Erfolg oft nur aus der Sicht der Produktivität misst, geraten die individuellen Bedürfnisse in den Hintergrund. Die Frage, die sich stellt, ist, wie lange diese Entwicklung noch tragbar ist.

In einer anderen Untersuchung wurden die finanziellen Auswirkungen des Präsentismus auf die Unternehmen selbst analysiert. Die Ergebnisse zeigten, dass die Kosten, die durch krankheitsbedingte Abwesenheit entstehen, nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Die versteckten Kosten, die durch die reduzierte Produktivität von Angestellten, die trotz Krankheit ins Büro kommen, verursacht werden, sind immens.

Die Zahlen sprechen für sich. In vielen Unternehmen sind es die erkrankten Mitarbeiter, die durch ihre bloße Anwesenheit zusätzliches Unheil anrichten. Wenn die Gefahr nicht erkannt wird, kann sie zu einer schweren Epidemie im Unternehmensumfeld werden.

Es braucht also Maßnahmen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Einige Unternehmen versuchen bereits, ein offeneres Gespräch über psychische Gesundheit zu führen. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und das Angebot von Gesundheitsprogrammen sind Ansätze, die helfen sollen, die Belastung der Angestellten zu verringern.

Wenn wir uns jedoch die Realität vor Augen führen, muss man leider feststellen, dass dieser Wandel nur langsam voranschreitet. Oft scheitern diese Übungen am fehlenden Verständnis für die psychischen Probleme, die viele beschäftigt.

Letztlich bleibt die Herausforderung bestehen, das Bewusstsein nicht nur auf individueller, sondern auch auf institutioneller Ebene zu schärfen. Es bedarf einer Kultur, die den Menschen als wertvoller empfindet, als die reine Produktivität.

In Anbetracht der enormen Kosten und der menschlichen Schicksale hinter der Statistik sollten wir uns ernsthaft fragen: Sind wir bereit, unser Arbeitsumfeld zu verändern und unsere Einstellungen zu überdenken? Es könnte der Schlüssel zu einer gesünderen, produktiveren Arbeitskraft sein.

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